Ich bin raus

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Gut fünf Wochen sind vergangen, seit ich in Blogpause gegangen bin. Fünf Wochen, in denen ich viel in mich gegangen bin und in mich hineingefühlt habe, wie ich weitermachen möchte. Erleichtert wurde mir dieser Prozess auch noch dadurch, dass ich mich seit zwei Wochen wegen eines blockierten Wirbels, der trotz mehrmaliger und unterschiedlicher Behandlung, nicht aufhören möchte zu schmerzen, in einer erzwungenen Ruhepause befinde. Knapp zwei Wochen habe ich liegend verbracht, weil weder Laufen noch Sitzen zu lange ging.

In dieser Ruhepause habe ich viel gelesen und viele Hörbücher gehört und viel nachgedacht, und es hat sich das manifestiert, was ich eigentlich vorher schon wusste, wozu ich mich aber noch nicht endgültig durchgerungen habe.

Ich habe keine Lust mehr auf diese Leistungsgesellschaft, ich habe keine Lust mehr auf den Druck, den ich mir selbst mache, ich habe keine Lust mehr auf das „Ich muss etwas nach Außen darstellen“. Ich mache jetzt das, was mir wirklich wichtig ist, woran mein Herz hängt.

Und mein Herz hängt an der Musik. Ich bin in einer Musikerfamilie großgeworden, ich habe meine ganze Kindheit und Jugend hindurch Musik gemacht, bis ich sie aus meinem Leben größtenteils verbannt habe. Und vor zwei Jahren hat sie sich ganz langsam wieder in mein Leben geschlichen, um dann Anfang dieses Jahres mit einem Sog über mich hereinzubrechen, dem ich mich nicht mehr entziehen kann. Seit Januar habe ich wieder Klavierunterricht und leider können die Tasten der Computertastatur in ihrer Anziehungskraft nicht mithalten mit den Klaviertasten. Wenn ich am Klavier sitze, vergesse ich die Zeit, ich könnte stundenlang üben ohne zu ermüden.

„Folge deinem Herzen“ – ich habe viel Robert Betz gehört in meiner erzwungenen Ruhepause – und endlich habe ich den Mut, meinem Herzen zu folgen. Auch mein Rücken sagt mir, dass diese Entscheidung richtig ist, weil er sich just in dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreiben, wieder ein bisschen mehr entspannt.

Lange habe ich mit dieser Herzensentscheidung gehadert, weil in meinem Kopf herumgeistert, dass man seine Berufung doch zu seinem Beruf machen sollte (die Gehirnwäsche auf Facebook und auf diversen Blogs hat bei mir gut gewirkt 😉 ). Aber für eine professionelle Musikerkarriere ist der Zug altersbedingt leider abgefahren. Deshalb habe ich die Antwort auf die Frage „Was ist mir wichtig?“ immer in die Ecke verbannt, wenn sie mal wieder glasklar vor mir stand. Und dann habe in meiner von meinem Rücken verordneten Zwangspause folgende Geschichte von Dr. Elisabeth Mardorf in „Deine Sehnsucht wird dich führen“ von Sabine Asgodom gelesen:

„Ich habe in Kalifornien viel Menschen getroffen, die ihren Träumen erlaubt haben, in ihr Leben zu kommen. […] Zum Beispiel eine Frau, die gerne Sängerin werden wollte. Sie wusste aber, für die große Karriere ist sie zu alt. Und sie hat dafür in Kauf genommen, halbtags als Job Sprachunterricht zu geben, nachmittags Gesangsunterricht zu nehmen und abends Auftritte auf kleinen Bühnen zu haben. […] Das war ein Lebenskonzept, das ich so nicht kannte. Was ich aber ganz pfiffig finde. Bei uns ist eher die Tendenz: Wenn das beruflich nichts bringt, dann lass ich das ganz. Schade eigentlich.“ (Asgodom, Sabine, Deine Sehnsucht wird dich führen, Kösel, 2016, S. 210)

Als ich das gelesen habe, hat es bei mir Klick gemacht. Ich habe einen Job, der mir Spaß macht, ich muss beruflich nichts mit Musik machen, ich darf sie mir einfach als Hobby gönnen. Und wer weiß, was sich daraus noch entwickelt, wenn ich mich ganz darauf einlasse.

Leider heißt meine Herzensentscheidung für diesen Blog, dass ich ihn nicht mehr weiterführen werde. Den Blog als solches mit all seinen wertvollen Informationen und Artikeln lasse ich auf jeden Fall stehen. Und wer weiß, vielleicht möchte ich eines Tages auch mal wieder in die Tastaturtasten und nicht nur in die Klaviertasten hauen.

„Unser Menschenleben – ein Lidschlag. 23 Jahre schlafen wir, 20 Jahre frisst die Arbeit, 228 Tage stehen wir im Bad. Die knappe Restzeit sollten wir dem widmen, was wesentlich ist.“ (Gabriele Romagnoli, Nur mit Handgepäck, Kösel, 2016)

Und das werde ich jetzt tun. Ich wünsche dir eine wunderbare Zeit und den Mut, auch deinem Herzen zu folgen.

Liebe Grüße
Birgit

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19 Antworten
  1. Dagmar says:

    Liebe Birgit,
    ich möchte dich beglückwünschen, das du deinen Wunsch jetzt lebst!!!!!!!
    Allerdings darf ich dir sagen das ich deinen blog sehr vermissen werde,
    es gibt wenige blogs die ich so intensiv wie deinen verfolgt habe.
    Es würde mich freuen wenn ich nochmal etwas von dir hören darf.
    Liebe Grüße
    von Herzen
    Dagmar

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    • Dagmar says:

      Liebe Birgit,
      Wollte es dir wohl gleich tun. Bin gestern ins Badezimmer nach dem Duschen gestürzt. Habe jetzt eine Bänderdehnung oder Bànderriss am linken Knie…
      Passt leider nicht zu meiner MS.
      Wir sollten einfach auf uns hören.
      LG Dagmar

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        • Dagmar says:

          Liebe Birgit, danke dir für die guten Wünsche. Ich komme nur noch mit einer kurzen afrage: Hast du noch vor das Buch das du geplant hattest zu veröffentlichen? Wenn ja bin ich die erste die es bestellt 🙂
          Liebe Grüße
          Von Herzen
          Dagmar 🙂

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          • Birgit Geistbeck says:

            Liebe Dagmar, das Buchprojekt ist erst einmal auf Eis gelegt. Falls es doch noch irgendwann entstehen wird, gebe ich Bescheid. Liebe Grüße, Birgit

    • Birgit Geistbeck says:

      Vielen, lieben Dank für deine lieben Worte, Dagmar. Ich freu mich, dass dir mein Blog zu gut gefallen hat. Und wer weiß, vielleicht schreibe ich ja mal wieder einen Artikel. Jetzt, wo ich mir den Druck genommen habe 😉

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  2. sylvia Puelz says:

    Liebe Birgit,

    …. ich wünsch Dir alles alles erdenklich Gute und viel Spass auf
    Deinem neuen Weg.
    Dein Blog hat mit zu vielem animiert – evtl. tut sie es gerade erneut.

    Danke dafür !!!

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  3. Helga Blank says:

    Auch ich habe mich entschlossen doch nicht mit meinem – schon fertigem, gut bestückten – Blogg an den Start zu gehen. Das ständige HickHack ist einfach nicht mein Ding. Hier geht ständig jemand völlig unbegründet auf Andere los. Das macht mich einfach unrund. Ich denke, ich bin einfach zu harmoniesüchtig für diese Geschichte. Ich mag meine Patienten und habe Spaß mit meinem Mann unseren Zoofachhandel aufzubauen. So ganz in der Realität 🙂
    Ich wünsche dir alles Liebe und das du in Frieden und Freude deinen „Liebschaften“ nachgehen kannst 🙂

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    • Birgit Geistbeck says:

      Liebe Helga, das hört sich auch ganz nach einer Herzensentscheidung an. Ich wünsche dir viel Freude beim Aufbau eures Zoofachhandels.

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  4. Andrew says:

    Liebe Birgt,

    alles Gute für deine Herzenentscheidung(en)!
    Ich kann auch viele Stunden mit Klavierspielen „nur für mich“ verbringen und genieß es sehr. Ich wünsche dir, dass du gute Stunden mit den Dingen verbringst, die dir innerlich weiterbringen!

    Dein Blog habe ich sehr gerne gelesen!

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  5. Bettina Sturm says:

    Liebe Birgit,
    Glückwunsch zu deiner HERZensentscheidung! Und wie schön, dein Herz schlägt für die Musik. Habe jetzt ein Bild von dir im Kopf, wie du im Flow in die Klaviertasten greifst. Danke, dass du deine Gedanken, Gefühle und Entscheidung mit uns teilst.

    Ich wünsche dir viel Freude bei den wesentlichen Dingen.

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  6. Julia says:

    Mensch Birgit,
    ich kann dich sehr gut verstehen, auch wenn es traurig für uns Leser ist. Aber man muss tun, was einem selbst gut tut und nicht irgendwelchen anderen. Du hast meine vollste Unterstützung und ich wünsche dir ganz viel freie Zeit für die Dinge und Menschen, die dich glücklich machen!
    Mit lieben Grüßen
    Julia

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  7. George says:

    Hay Birgit. Das ist ein schöner Artikel, der einen zum nachdenken bringen kann. Du hast recht, jeder Mensch sollte tun woran sein Herz hängt.^^ Man sollte sich auch keinen Druck machen lassen. Geniesse Dein Leben und hole tief Luft. Entspanne dich einfach und geniesse Musik. Musik ist lebendig.

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  8. Lasse says:

    Schade, dass hier nichts mehr kommt, aber du machst es richtig und folgst deinem Herzen. Also alles Gute dafür und vlt gibt es ja auch irgendwann eine Zukunft mit dem Blog, wer weiß was kommt.

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