7/1 – Woche 29

Heute fällt es mir wirklich schwer über so etwas Banales wie das Entrümpeln zu schreiben, nach allem, was letzte Woche passiert ist. Vor allem der Amoklauf in München hat mich zutiefst erschüttert, habe ich dort ja selbst einmal sieben Jahre gewohnt und noch immer Freunde dort (denen zum Glück allen nichts passiert ist).  Meine Gedanken sind bei allen, die bei diesen schrecklichen Ereignissen letzte Woche geliebte Menschen verloren haben, bei allen, die verletzt und traumatisiert sind.

Heute Morgen habe ich im Radio ein Interview mit einer Mutter gehört, deren Tochter sich während des Amoklaufes im Olympia Einkaufzentrum befunden hat. Dieses Mädchen wünscht sich jetzt vor allem, wieder zur Normalität zurückzukehren. Sie möchte wieder zum Sport gehen, in die Schule, und sie möchte nicht mehr gefragt werden, wie es ihr geht oder wie sie das ganze erlebt hat. Sie möchte einfach wieder ihr Leben leben. Und noch etwas hat diese Mutter erzählt. Das Mädchen war gerade in der Umkleide, als die Schüsse fielen, und ist in Socken geflohen. Diese Socken, zerlöchert, verdreckt, wird die Familie in der Wohnung aufhängen als Erinnerung daran, sich nicht über Banalitäten aufzuregen.

Keiner von uns wird in dieser Zeit, in der die Welt einfach nur verrückt spielt, zur Normalität zurückkehren können, ohne etwas von diesen Ereignissen mitzunehmen. Aber anstelle der Angst, die wir mitnehmen und unser Leben beherrschen lassen, können wir die Besinnung aufs Wesentliche mitnehmen. Wir können uns fragen, was ist uns wirklich wichtig? Wie gehe ich eigentlich mit den Menschen, die ich liebe, um? Wie oft sage ich ihnen, dass ich sie liebe? Wie oft gehe ich im Streit mit einem geliebten Menschen auseinander? Ist all dieser materielle Kram zu Hause wirklich so wichtig? Ist die x-te Bluse wichtig oder eine netter Ausflug mit meinen Kindern? Muss ich wirklich wegen jedem liegen gebliebenen Spielzeug ausflippen oder kann ich auch mal mit einem Lächeln über das Chaos hinwegsehen?

Mir hat die letzte Woche wieder einmal deutlich vor Augen geführt, dass ich viel zu selten meinen Lieben sage, dass ich sie liebe, dass ich mich viel zu oft über Kleinigkeiten aufrege und dass ich auf all meinen Kram verzichten kann, wenn es nur den Menschen, die ich liebe und mit denen ich befreundet bin, gut geht. Und dass das Leben weitergeht, denn ich bin am Freitag wieder Tante geworden.

Und gerade auch deswegen habe ich letzte Woche auch wieder entrümpelt, nicht viel – letzte Woche war eine der stressigsten Wochen des bisherigen Jahres – aber doch ein bisschen.

Ich habe unsere Faschingskiste im Dachboden durchgesehen. Dabei habe ich ein Engelsgewand samt Flügeln, ein Hut und Modeschmuck verabschiedet.

7-1 - Woche 29

Zudem habe durch eine kleine Umgestaltung in der Küche noch zwei Tupper-Aufbewahrungsbehälter aussortiert. Außerdem habe ich eine Bluse aussortiert, die ich zwar erst gekauft habe, aber bei deren Kauf ich mal wieder nicht aufgepasst habe, dass sie zu 100% aus Polyester besteht. Als ich sie letzte Woche bei einem Konzert anziehen wollte, hat sie sich so aufgeladen, dass sie nur an mir geklebt ist. Und das kann ich überhaupt nicht ausstehen. Also kommt sie weg.

Das war meine Woche. Wie sah deine Woche aus?

Entspannte Grüße
Birgit Geistbeck

4 Antworten
  1. Dagmar says:

    Liebe Birgit,
    Ein sehr schöner Artikel, der einem noch mal aufzeigt, was wirklich im Leben von Bedeutung ist… Ich habe diese Woche die Schulsachen meines Jüngsten sofort aussortiert… (Die beiden GROSSEN MACHEN DAS SELBST…) und den Schulranzen fürs nächste Schuljahr bereits fertig gemacht…
    Liebe Grüße
    Dagmar

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    • Birgit Geistbeck says:

      Liebe Dagmar, Schulsachen hat meine Tochter noch nicht aussortiert. Bei uns sind aber auch erst seit Samstag Ferien. Die Grundschulsachen hat sie in Kartons aufgehoben und erst letztens wieder darin geblättert. Jetzt im Gymnasium aber werden die Sachen auch sofort nach Schuljahresende aussortiert.

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