Übe das NEIN sagen – 52 Schritte, die dein Leben vereinfachen

52 Schritte - Nein sagenNEIN sagen ist etwas, was vielen von uns, aber vor allem uns Frauen sehr schwer fällt.

Zugleich wissen wir, was passiert, wenn wir immerzu oder einfach zu oft JA sagen: wir haben keine Zeit mehr für uns, geraten in Stress und Hektik und werden auf Dauer ziemlich unzufrieden, weil wir immer nur für die anderen da sind.

Wenn du JA sagst und NEIN denkst, gerätst du unter Stress, sagt Reinhard Sprenger 

Das alles ist dir wahrscheinlich bewusst.

Warum fällt es dir dann so schwer, NEIN zu sagen?

 

  1. Du kümmerst dich gerne um andere, vor allem um deine Familie und deine Freunde und möchtest, dass es ihnen gut geht.

Das ist eine wunderbare (und das meine ich nicht ironisch) Eigenschaft allerdings mit einem klitzekleinen Denkfehler.

Wenn du dich immer nur um die anderen kümmerst und nicht darauf schaust, dass es als allererstes dir gut geht, wirst du irgendwann an deine Grenzen stoßen, sei es physisch oder psychisch oder auch beides. Und dann wirst du dich auch nicht mehr um die anderen kümmern können.

 

  1. Du hast Angst vor Ablehnung.

 „Ich möchte von allen geliebt werden und das werde ich nicht, wenn ich ständig NEIN sage“.

Kommt dir das bekannt vor?

Mir jedenfalls schon. Das war lange Zeit mein Hauptgrund JA zu sagen, bis ich gemerkt habe, dass ich nicht von allen geliebt werden muss. Ich mag ja schließlich auch nicht alle, mit denen ich zu tun habe. Also muss das umgekehrt auch nicht so sein.

Und noch etwas habe ich gelernt: Ich werde nicht weniger geliebt und gemocht, wenn ich öfter mal NEIN sage.

 

  1. Du hast Angst vor den Konsequenzen.

Es kann durchaus sein, dass manche Menschen sich vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn du plötzlich deine JAs dosierst und öfter einmal NEIN sagst.

Aber sie werden schnell merken, dass dein JA ein wertvolleres sein wird als vorher, weil du wirklich dahinter stehst.

Aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass die meisten Menschen besser mit deinem NEIN zurechtkommen, als du denkst.

Und Menschen, die ihre Grenzen klar kommunizieren, werden mehr respektiert als solche, die ständig zu allem JA sagen.

 

  1. Du hast Angst, etwas zu versäumen.

Es gibt so ein riesiges Angebot an Freizeitaktivitäten und beruflichen Möglichkeiten und Weiterbildungen wie noch nie. Tolle Angebote locken im Internet, in Zeitschriften und fast an jeder Straßenecke. Du möchtest auch das erleben, was dir Freunde und Verwandte erzählen.

Da kann sich schon mal das Gefühl breit machen, etwas zu versäumen, wenn man nicht überall dabei ist.

Ich bin z.B. wirklich anfällig für kostenlose Internetkurse. Und wenn ich hier nicht sorgfältig auswähle, dann verliere ich schnell den Überblick und bin total frustriert, weil ich keinen einzigen intensiv mitmache und ein schlechtes Gewissen habe.

Es lohnt sich, bewusst auszuwählen und auch einmal bewusst NEIN zu sagen. Das Leben geht weiter, auch wenn du nicht überall dabei bist.

Und wenn etwas für dich wirklich wichtig ist, wird es dir auch ein zweites Mal zu einem besseren Zeitpunkt begegnen.

 

  1. Du glaubst, NEIN sagen ist unfreundlich und egoistisch.

Es verbietet dir niemand, dein NEIN in freundliche Worte zu verpacken. Ein ehrliches NEIN ist auf jeden Fall freundlicher als ein im Grunde nicht so gemeintes JA.

Und NEIN sagen ist egoistisch, das gebe ich zu, aber es ist positiv egoistisch (siehe Punkt 1).

 

Wie kannst du das NEIN sagen üben?

 

  1. Werde dir klar darüber, wann du JA sagst.

Gibt es einen bestimmten Knopf, den Personen drücken und der dein JA automatisch auslöst?

Mein JA-Knopf ist Wertschätzung meiner Person und meiner Fähigkeiten. Wenn jemand zu mir sagt „du kannst einfach toll organisieren und hast alles so gut im Griff, du bist doch perfekt für diesen Job geschaffen“, dann fällt es mir schwer, NEIN zu sagen.

Was ist dein JA-Knopf?

Gibt es bestimmte Personen bei denen du grundsätzlich zum JA tendierst?

Wenn du deinen JA-Knopf kennst oder weißt, bei welchen Personen zu anfällig für ein JA bist, kannst du beim nächsten Mal innehalten und dich ganz bewusst für ein JA oder ein NEIN entscheiden.

 

  1. Sitze dein NEIN aus und hab den längeren Atem.

Das Aussitzen liebe ich, gehört aber auch zu den – wie ich finde – schwereren Strategien, das NEIN sagen zu üben.

Was meine ich mit Aussitzen?

Du kennst sicher die Situation, wenn du z.B. in einer Elternbeirat Sitzung bist und die Frage auftaucht, wer das Protokoll schreibt. Alle Köpfe sinken dann Richtung Boden, keiner will Blickkontakt zum Fragenden halten, das könnte als ein „Ich mache es“ gedeutet werden.

Entweder gibt es dann jemanden, der immer gleich mit einem „Ich mach das“ zu Stelle ist, weil sie (ja meistens sind es Frauen) glaubt, dass sich eh niemand findet. Oder es gibt jemanden, der die entstehende Stille, in der die Frage hängt, nicht aushält und sagt, dass sie es macht.

Wenn dazu neigst, diejenige welche zu sein, dann warte das nächste Mal einfach ab, sitz es aus und hab den längeren Atem. Es wird jemanden geben, der es macht, und das wirst nicht du sein. Das verspreche ich dir.

Ich bin inzwischen ein Meister im Aussitzen (nach einem langen Lernprozess). Ich war nämlich auch immer diejenige welche 😉

 

  1. Bitte dir eine Bedenkzeit aus

Wenn du dazu neigst, zu schnell JA zu sagen, lass dich nicht überrumpeln und bitte dir das nächste Mal eine Bedenkzeit aus.

„Dazu brauche ich einen Blick in meinem Terminkalender. Ich werde nachsehen und dir morgen Bescheid geben.“

„ Das möchte ich gerne zuerst mit meinem Partner besprechen. Ich melde mich in einer halben Stunde wieder“

Und schon kannst du in aller Ruhe die Vor- und Nachteile eines JA abwägen.

Cordula Nussbaum rät in ihrem Podcast „Zeitfalle: Ja sagen“ auch dazu, bei einem NEIN keinerlei Begründung zu geben, sondern nur ein schlichtes „Es tut mir leid, das geht nicht“.

Wenn du eine Begründung zu deinem NEIN gibst, bietest du deinem Gegenüber Angriffsfläche, deinen Argumenten mit Gegenargumenten zu begegnen.

Diese Bedenkzeit funktioniert übrigens auch sehr gut, wenn deine Kinder etwas von dir wollen.

Wenn meine Tochter mich zwischen Tür und Angel, z.B. wenn ich sie von der Schule abhole, frägt, ob sie nächsten Freitag zu ihrer Freundin kann und diese Freundin auch noch daneben steht und auf Antwort wartet, sage ich „Das möchte ich jetzt nicht zwischen Tür und Angel entscheiden. Lass uns in aller Ruhe zu Hause darüber sprechen.“

Das ist viel besser als schnell JA zu sagen um des lieben Frieden willens und zu Hause zu merken, dass du dein JA leider in ein NEIN umwandeln musst.

 

  1. Stell dir vor, was schlimmstenfalls passieren kann

Dieses Worst-Case-Szenario finde ich auch eine wunderbare Art, die Angst vor dem NEIN sagen abzubauen.

Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn ich jetzt NEIN sage?

Meist ist selbst der Worst-Case kein Weltuntergang. Wir glauben es nur, dass nach unserem NEIN die Welt nicht mehr so ist wie vorher.

 

  1. Stell dir vor, was passieren wird, wenn du JA sagst

Überlege dir, ob es dir die Sache wert ist. Ein JA bedeutet immer eine Verpflichtung, die mit meist mit einem Einsatz von Zeit und Energie einhergeht.

Ist dir diese Sache so viel wert, dass du gerne deine Zeit und Energie dafür opferst?

 

  1. Übe dein NEIN bei Kleinigkeiten.

Fang damit an, beim Metzger NEIN zu sagen, wenn du gefragt wirst, ob es etwas mehr sein darf. Sag NEIN zum Zeitschriften-Abo, das dir am Telefon angeboten wird. Lehne das „Kauf zwei, zahl eins“-Angebot ab, wenn du nur eine Bluse (oder was auch immer) brauchst.

Du weißt ja „Übung macht den Meister“ und bald fällt es dir auch leichter in schwierigeren Situationen NEIN zu sagen.

 

Einige dieser Tipps zum NEIN sagen habe ich hier gefunden und dort findest du auch noch mehr:

Cordula Nussbaum „Zeitfalle: Ja Sagen“ (Podcast)

NEIN sagen: 7 Tipps, wie Sie Grenzen setzen 

Nein sagen lässt sich lernen 

Grenzen setzen: 17 Möglichkeiten zum gesunden Nein-Sagen

5 Tipps zum „Nein-sagen“ 

 

Sag diese Woche einfach mal öfter NEIN, und schau, was passiert. Ich freue mich, wenn du deine Erfahrungen hier auf dem Blog mit den Lesern und mir teilst.

Viel Erfolg und Spaß auf dem Weg zu mehr NEINs in deinem Alltag. Du wirst sehen, dass dein Leben einfach entspannter dadurch wird.

Entspannte Grüße
Birgit

12 Antworten
  1. Tine Kocourek says:

    Hallo Birgit,

    Vielen Dank für die umfassende Beleuchtung des Themas „NEIN-Sagen“. Besonders die Tipps, wie ich es angehen kann, helfen.

    Wenn ich klar meinen Weg kenne, fällt es mir leichter Nein zu sagen, wenn es einfach nicht passt. Denn gibt es viele spannende ehrenamtliche Tätigkeiten, kostenlose Kurse etc. Das Angebot ist einfach zu verlockend. Doch dann gehe ich den Weg der anderen, anstelle meines eigenen.

    herzliche Grüße

    Tine

    Antworten
  2. Birgit Geistbeck says:

    Liebe Tine,

    das mit den Ehrenämtern kenne ich nur zu gut, auch das mit den kostenlosen Kursen. Bei den Ehrenämtern bin ich inzwischen ganz gut im Nein sagen und bei den kostenlosen Kurse übe ich noch 😉

    Lieben Gruß
    Birgit

    Antworten
  3. Martina says:

    Liebe Birgit,
    gerade eben habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich wirklich will. Das ist zwar nicht das „Nein-Sagen“ lernen, aber das liegt auf dem Weg zum Ziel ganz vorne. Deshalb ganz vielen Dank für die Tipps. Mir geht es da wie Tine: Die Tipps zum „wie-gehe-ich-es-an“ sind sehr wertvoll ;-).
    LG,Martina

    Antworten
    • Birgit Geistbeck says:

      Liebe Martina,

      ich freu mich, wenn dir die Tipps helfen.

      Ich sehe das NEIN sagen bei mir auch eher als einen Turbo auf meinem Weg zum Ziel 😉

      Lieben Gruß
      Birgit

      Antworten

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  1. […] Und schwupps saß ich in der Falle. Weil ich mich so geschmeichelt gefühlt habe und gerne organisiere, konnte ich eben auch schlecht Nein sagen. […]

  2. […] Du hast Schwierigkeiten damit, nein zu sagen? Du kannst es üben. Birgit Geistbeck hat einen Artikel dazu geschrieben. Hier gehts zum Artikel. […]

  3. […] auf, dich mit deinen Ansprüchen unter Druck zu setzen. Sag öfter mal Nein und pfeif darauf, was die anderen von dir denken. Es ist dein Leben! Und du bestimmt, wie du es […]

  4. […] Zukunft Werbung zuschicken oder dich anrufen darf. Das eignet sich übrigens hervorragend, um das NEIN sagen zu […]

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